KÄMPFER*INNEN

EINE DOKUMENTATIONSREIHE​ DES INTERNATIONAL WOMEN* SPACE

SYNOPSIS​

Im Jahr 2021 haben wir trotz der Corona-Pandemie mehr als ein Dutzend unglaublicher Frauen* getroffen und interviewt. Wir diskutierten über Migration, Asyl, das geteilte Nachkriegsdeutschland, die Deutsche Demokratische Republik (DDR) und die Bundesrepublik Deutschland (BRD), Kolonialismus, die Berliner Mauer und ihren Fall, über das wiedervereinigte Deutschland, Kapitalismus, Sozialismus, europäische Grenzen sowie über dieKriege des 20. und 21. Jahrhunderts. Wir sprachen mit Überlebenden des Vietnamkriegs, des Bosnienkriegs und des Völkermords in Srebrenica sowie mit Menschen, die vor den Kriegen in Afghanistan und Syrien geflohen sind. Wir diskutierten über Rassismus, seine Ursachen und Folgen und darüber, wie seine Legitimation nur durch eine gewalttätige Mentalität und einen Diskurs der weißen Vorherrschaft gerechtfertigt ist.
Blpoc-Frauen*, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, sprachen über strukturellen Rassismus und wie er im spezifischen deutschen Kontext auftritt und alle Institutionen betrifft. Ein wiederkehrendes Thema waren rassistische Übergriffe, die Morde an rassifizierten Menschen in den letzten Jahrzehnten in Deutschland.

Wir hörten uns die Gründe und die Wege von Frauen* an, die nach Deutschland migriert sind. Frauen*, die als Vertragsarbeiter*innen in der DDR und als Gastarbeiter*innen für die BRD kamen, die uns Geschichten von Ausgrenzung und Isolation erzählten, die uns an die aktuelle Situation von Geflüchteten in Geflüchtetenunterkünften erinnern. Wir hatten auch die Möglichkeit, die Politik der Einladung von Arbeitskräften aus anderen Ländern in der Nachkriegszeit historisch nachzuvollziehen.

Wir hörten Geschichten von Frauen*, die das Mittelmeer überquert haben, die von Menschenhändlern nach Europa verschleppt wurden, von Trans*frauen, die diskriminiert werden und von Abschiebung bedroht sind, die aber weiterhin für ihr bedingungsloses Recht kämpfen, hier zu sein und so zu sein, wie sie sind.

Ein gemeinsames Thema für die meisten von uns war die Geflüchtetenbewegung in Berlin zwischen den Jahren 2012 und 2014 und wie die Besetzungen des Oranienplatzes und der Gerhart-Hauptmann-Schule individuelle und kollektive antirassistische und feministische Kämpfe beeinflussten. Wir erinnerten uns daran, wie und warum wir unsere Organisation von Migrantinnen* während dieser Besetzungen gründeten, wie wir uns trafen und  den International Women*Space in einem Kontext des Widerstands gründeten. Wie wir uns nach den Räumungen mit anderen Frauen*gruppen zusammenschlossen und 2015 das Bündnis internationaler Feminist*innen gründeten, das zwei jährliche Demonstrationen organisiert: am 8. März, dem Frauen*kampftag, und am 25. November, dem Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen*.

Dieser Dokumentationsprozess ist ein weiteres Kapitel in der Geschichte unserer Gruppe IWS, die sich seit ihren Anfängen darauf konzentriert hat, unsere Geschichten als Migrantinnen* in Deutschland zu recherchieren und zu organisieren. Wir machen diese Arbeit mit Freude und in der Überzeugung, dass wir als Migrantinnen* viel dazu beitragen können, diese Gesellschaft frei von Rassismus und allen Formen von Diskriminierung zu machen.

Wir hoffen, dass Sie diese intersektionale feministische und antirassistische Dokumentation genießen und feiern, so wie wir jeden Moment gefeiert haben.

 

Dahye Yim & Heawon Chae - short bio

Dahye Yim and Heawon Chae sind Aktivistinnen der koreanischen Community und International Women* Space. Dahye forscht zu Gender und Gesundheit. Heawon ist eine freiberufliche Journalistin und hat unter anderem das Buch „No woman* is alone: What Feminism in Berlin tells us” (Verlag Mati) auf Koreanisch geschrieben.

Killa Kupfer &Shokoofeh Montazeri  - short bio

Killa Kupfer und Shokoofeh Montazeri sind Mitbegründerinnen der Alliance of internationalist feminist in Berlin.

Sandra Bello - short bio

Sandra Bello ist eine schwarze sapatão-Aktivistin, die favelarisiert wurde.

Carolina Belen Espinoza Barrera - short bio

Carolina Belen Espinoza Barrera ist Trans- und Sexarbeitsaktivistin, die sowohl in Chile als auch in Deutschland aktiv ist.

Bara Yasin & Mouna Aleek  - short bio

Bara Yasin und Mouna Aleek sind aus Syrien geflüchtet. Bara studiert Chemie an der Humboldt Universität. Mouna ist Coautorin des Buches „Das ist meine Geschichte” vom Kollektiv Polylog.

Jennifer Kamau  - short bio

Jennifer Kamau (geb. in Kenia) ist die Sprecherin des International Women* Space (IWS), einer Organisation, die sie 2012 mitbegründet hat. Im Jahr 2018 initiierte sie die Break Isolation Group (BIG) innerhalb des IWS - eine selbstorganisierte Arbeitsgruppe von geflüchteten Frauen*, die Frauen, die sich noch im Asylverfahren befinden, politische Bildung zur Selbstorganisation und Projektentwicklung anbietet.

Sharputa Alatrash - short bio

Sharputa Alatrash ist aus Syrien geflüchtet und ist Trans- und Sexarbeitsaktivistin.

Natalie Bayer - short bio

Natalie Bayer ist Leiterin des FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museums in Berlin. Sie ist Kulturanthropologin mit den Themenschwerpunkten Stadtentwicklung, Grenzregime, Geschichtspolitiken und Migrationsgeschichte.

Angelika Nguyen - short bio

Angelika Nguyen, geboren in Ostberlin, studierte Filmwissenschaft in Potsdam-Babelsberg, drehte 1991 den Dokumentarfilm Bruderland ist abgebrannt über die Lage vietnamesischer Immigrant*innen in Ostberlin. Ihr Essay Mutter, wie weit ist Vietnam? über den Rassismus in ihrer Kindheit erschien 2011 in dem Sammelband Kaltland im Rotbuch Verlag. Sie ist freiberuflich als Autorin, Referentin und Filmjournalistin tätig. Sie ist Mitglied bei korientation e.V., einem Netzwerk für asiatisch-deutsche Perspektiven und im Kuratorium des Hauses für Demokratie und Menschenrechte.

Saraya Gomis - short bio

Saraya Gomis ist eine Pädagogin. Seit Dezember 2021 ist sie Staatssekretärin für Vielfalt und Antidiskriminierung der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung.

Prof. Dr. Natasha A. Kelly - short bio

Prof. Dr. Natasha A. Kelly ist Afrofuturistin, promovierte Soziologin und Kommunikationswissenschaftlerin, Regisseurin, Kuratorin, Autorin und Mutter.

Aurora Rodonò - short bio

Aurora Rodonò: freie Kulturarbeiterin, Dozentin und Diversity-Managerin (RJM Köln); zuvor Projektreferentin bei der ADKDW/Köln; wissenschaftliche Mitarbeiterin beim DOMiD e.V., im Rahmen des Forschungs- und Ausstellungsprojekt »Projekt Migration« (Köln 2005).

2017 war sie an der Durchführung des Tribunals »NSU-Komplex auflösen« (Schauspiel Köln) beteiligt.

TEAM

Denise Garcia Bergt

(Regie/Schnitt/Kamera) ist Filmregisseurin, Journalistin und Mitbegründerin des International Women* Space. Sie lebt seit 2008 in Berlin und veröffentlichte 2012 ihren Dokumentarfilm “Residenzpflicht” über die jahrzehntelange Selbstorganisation von Geflüchteten in Deutschland. Sie ist Co-Autorin von drei Büchern und hat in Dutzenden von Videos die politische Organisierung von Migranten und Geflüchteten in Deutschland dokumentiert.

Lica Stein

(Projektmanagerin) ist Projektkoordinatorin von International Women* Space (IWS), der Gruppe, die sie 2012 in der ehemaligen besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule mitbegründet hat. Sie ist auch Mitbegründerin des Bündnisses Internationalistischer Feministinnen, das seit 2015 jährlich in Berlin die Demonstration zum 8. März – Frauentag – und die Demonstration am 25. November – Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen – organisiert.

Micayla Smith

(Übersetzerin / Produktionsassistentin) ist eine multidisziplinäre Künstlerin und Forscherin, die in Berlin lebt und arbeitet, wo sie einen Master in Politischer Ökonomie der Europäischen Integration abgeschlossen hat.

Mallika Basu

(Research) arbeitet im Bereich der politischen Bildung, ihre Hauptthemen sind Empowerment, feministischer Antirassismus und die Entwicklung von Fähigkeiten zum kritischen Denken für und mit Kindern. Ihr eigener Aktivismus geht auf die einflussreiche Anti-Rassismus-Arbeit ihrer Familie in Berlin und Deutschland zurück. Sie studierte die Überschneidungen von Rasse, Geschlecht und Klasse.

Birte Gerstenkorn

(Ton) seit über zehn Jahren fängt Birte Gerstenkorn plastischen Ton für Kunst- und Dokumentarfilme ein. In ihrem kollektiv betriebenen Tonstudio “studio lärm” (http://studiolaerm.net) in Berlin Kreuzberg stellt sie Sound Designs, Musik und 
experimentelle Audioformate her.

Pippa Samaya

(Kamera) geb. in Australien, ist Fotografin und Filmemacherin. Sie ist Gewinnerin des International 60 Second Dance Film Competition (Denmark/Finland), des Australian Dance Award for Excellence in Dance on Film, beim SALON ausgestellt am CCP (AU), Bester Film beim FAD Film Festival (US), The Berlin motion picture festival (DE), den International portrait film festival(BUL), Best Music Video beim NIMA awards(AU).
Pippa’s humanitäre Dokumentationen entwickelten sich über Jahre mit der NGO One Voice von abgelegenen Dörfern in Indien über Nicaragua zu Moria, einem Geflüchtetencamp in Griechenland. 

Tara Samaya

(geb. in Australien) 2020/21 ist Solo Tänzerin beim Staatsballett Berlin. In 2019 gewann Tara den Helpmann and Greenroom Award for Best Female Dancer in Australia.

Jennifer Kamau

(Produktion/Recherche) ist die Sprecherin und Mitbegründerin des International Women* Space. 2018 initiierte sie die Break Isolation Group (BIG) innerhalb des IWS – eine selbstorganisierte Arbeitsgruppe von geflüchteten Frauen*. Sie bietet Frauen, die sich noch im Asylverfahren befinden, politische Bildung zur Selbstorganisation und Projektentwicklung an.

Veronika Krotki

(Übersetzerin /Produktionsassistentin)
macht mal hier, mal da was und ist eigentlich Erzieherin.

Janina Rost

(Recherche / Buchhaltung) ist mit dem Women* Space seit er Besetzung der Gerhart- Hauptmann-Schule verbunden und ist aktives Mitglied beim International Women* Space (IWS) seit 2020. Sie ist Aktivistin, Juristin, Tänzerin. Sie setzt sich für einen intersektionalen Feminismus und gegen Grenzen ein.

Nic Nagel

(Ton) arbeitet seit Jahren als Nachrichten Cutter für verschiedene deutsche Fernsehsender und als Tontechniker für einige Dokumentarfilmer.

ABOUT THE INTERNATIONAL WOMEN* SPACE

International Women* Space e.V. (IWS) ist eine feministische, antirassistische politische Gruppe in Berlin mit Migrant*innen, Geflüchteten und Nicht-Migrant*innen als Mitglieder. Wir kämpfen gegen das Patriarchat und dokumentieren alltägliche Gewalt, Rassismus, Sexismus und alle Arten von Diskriminierung.

Der IWS wurde im Dezember 2012 während der Besetzung der ehemaligen Gerhart Hauptmann Schule in Berlin-Kreuzberg durch die Geflüchteten-Bewegung gegründet. Wir schufen eine Frauen*front innerhalb der Geflüchteten-Bewegung, die den Kampf gegen rassistische Migrationspolitik mit dem Kampf gegen Rassismus und Sexismus verband. Im Jahr 2017 wurden wir ein eingetragener gemeinnütziger Verein.

Wir übernehmen die Verantwortung, der Verdrängung der Geschichte und des Widerstands von Frauen* entgegenzuwirken, indem wir unsere Geschichten in unseren eigenen Worten dokumentieren, sichtbar und öffentlich machen. Bisher haben wir drei Bücher mit den vielfältigen Erfahrungen von Migrantinnen und geflüchteten Frauen* in Deutschland veröffentlicht und 2017 eine Konferenz zur Migration in die DDR und BRD veranstaltet.